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Gebrüder Mölmsch

Interkulturelles Märchen- und Scherenschnittprojekt

 

Gebrüder Mölmsch - Interkulturelles Märchen- und ScherenschnittprojektAuf der Kulturkonferenz Ruhr 2013 richtete der Regionalverband Ruhr den Fokus auf die Kulturarbeit mit Kindern und Jugendlichen, die über einen „postmigrantischen Erfahrungshorizont“ verfügen. Im Kern ging es um Fragen des Kulturtransfers und des „audience development“. Dabei galt es zu ergründen, in welchem Maße zugewanderte Menschen in unserer Gesellschaft Anteil am Kulturleben haben, und inwieweit sich Menschender dritten und vierten Migrantengeneration kulturelle Traditionen der hiesigen Region zu eigen gemacht, respektive das Kulturleben im Ruhrgebiet mit eigenen Impulsen befruchtet haben. Bedingt durch den demographischen Wandel, wurde nach Möglichkeiten gesucht, jenen – z. T. bildungsfernen – Personenkreis als neues Publikum kultureller Einrichtungen und Veranstaltungen zu gewinnen, und mit diesen Menschen in einen kulturellen Austausch zu treten. Da das Mülheimer Museum zur Vorgeschichte des Films eine reichhaltige Sammlung historischer Schattenspielfiguren aus verschiedenen Kulturkreisen besitzt, wurde vom Museumspädagogen der Camera Obscura ein Konzept für ein interkulturelles Märchen- und Scherenschnittprojekt entwickelt. Zum thematischen Einstieg besuchten die teilnehmenden Schüler und Schülerinnen eine Aufführung des Düsseldorfer Schattentheater-Ensembles „Theater der Dämmerung“. Auf dem Programm standen klassische Märchen und Balladen. So wurden „Rotkäppchen“, „Aschenputtel“, „Die Bremer Stadtmusikanten“, „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“, „Der goldene Vogel“, „Vom Fischer und seiner Frau“, „Nis Randers“ und „Der Handschuh“ aufgeführt. Gleichzeitig bestand die Möglichkeit, in der Camera Obscura den Bestand europäischer, osmanischer und fernöstlicher Schattenspielfiguren kennenzulernen. Dabei sollten die projektbeteiligten Schüler und Schülerinnen ihre eigenen kulturellen Wurzeln einbringen. Wie die Gebrüder Grimm, forschten die Kinder im familiären Umfeld Gebrüder Mölmsch - Interkulturelles Märchen- und Scherenschnittprojekt - Ausschnitt aus dem Buchnach Informationen, welche Märchen-, Erzähl- und Schattenspieltraditionen in den Herkunftsländern der Einwanderungsgeneration bzw. in ihren Familien gepflegt wurden, und welche Märchen den Eltern aus Kindheitstagen präsent sind. Die Ergebnisse wurden anschließend im Klassenverband vorgestellt. Im Deutschunterricht brachten die Schüler und Schülerinnen ihr Lieblingsmärchen, Fabeln, Balladen oder eine in der Familie tradierte Erzählung dann zu Papier. Im Kunstunterricht galt es, zu den gesammelten Texten Scherenschnitt-Illustrationen herzustellen. Die Schüler und Schülerinnen wählten Schlüsselszenen ihres Lieblingsmärchens und skizzierten diese. Anschließend wurden die einzelnen Figuren grob ausgeschnitten und auf schwarzen Tonkarton geklebt. Nun mussten die Figuren mit feinen Silhouettenscheren sauber ausgeschnitten, und mit der schwarzen Rückseite nach oben zeigend, auf ein weißes Papier geklebt werden. Bei dieser Arbeitsweise bestand für die Kinder das Problem, die Figuren auf für das Schattenspiel typische Umrisslinien zu reduzieren, und die ausgeschnittenen Elemente im fertigen Bildraum wieder in einen kompositorischen Zusammenhang zu bringen. Die Arbeiten der teilnehmenden Schulen mündeten im vorliegenden Märchenbuch. Die Grundschule am Krähenbüschken erweiterte das Konzept insofern, als die Schüler und Schülerinnen einiger Klassen im Rahmen eines schulinternen Schreibwettbewerbs selbst Märchen erfanden. Die prämierten, z. T. aber nicht illustrierten Erzählungen sowie ein Konvolut reizender Scherenschnitte von Schulanfängern, die aufgrund ihres Alters noch keine Märchen niederschreiben konnten, bilden ein eigenes Kapitel. Die Astrid-Lindgren-Schule nahm das Projekt wiederum zum Anlass, ihre Projektwoche unter das Thema „Märchen“ zu stellen, und neben der beschriebenen Kooperation mit der Camera Obscura, eine von Schülern konzipierte Märchenaufführung auf die Bühne zu bringen. Die beteiligten Klassen der Willy-Brandt-Schule befassten sich im Deutschunterricht mit den Märchen der Gebrüder Grimm. Im Kunstunterricht wurden zu den klassischen Märchen und zu Erzählungen – wie „Die kleine Meerjungfrau“, „Das letzte Einhorn“ oder „Ali Baba und die vierzig Räuber“ – Illustrationen angefertigt, die zum Teil recht eigenwillig Bildelemente verschiedener Kulturen mit dem klassischen Märchenschatz zu einer Symbiose verschmolzen. So wohnt Rapunzel bei einigen Schülern in einem Turm, der nicht unserem nordalpinen Bergfried, sondern einer chinesischen Pagode, einem Minarett oderGebrüder Mölmsch - Interkulturelles Märchen- und Scherenschnittprojekt Auschnitt einem osteuropäischen Wehrturm mit Fachwerkaufsatz und offener Wachstube ähnelt, wie man ihn beispielsweise in den Karpaten und in den Grenzlanden zum Osmanischen Reich findet. Das Resümee des interkulturellen Märchen- und Scherenschnittprojekts überrascht. Es zeigt eine einheitliche, uns weitgehend bekannte mitteleuropäische Märchen- und Erzählkultur, unabhängig von den ethnographischen Wurzeln der Kinder. Osteuropäische, arabische und afrikanische Märchen wurden zwar ebenfalls von den Schülern und Schülerinnen geliefert, doch ist ihr quantitativer Anteil am Märchenbuch marginal. Und noch ein Ergebnis scheint bemerkenswert und tröstlich:

Das Gute und die Liebe siegen in den Erzählungen der „Gebrüder Mölmsch“ durchgängig über das Böse! Die in den Texten und Illustrationen der Mülheimer Schüler und Schülerinnen zu Papier gebrachten Geschichten zeugen überdies von einer bunten, überaus regen Phantasie unserer Märchensammler. Das sich über anderthalb Jahre erstreckende interkulturelle Märchenprojekt wäre ohne die großzügige finanzielle Unterstützung der Leonhard-Stinnes-

Stiftung nicht realisierbar gewesen. Teilgenommen haben sechs Mülheimer Schulen mit knapp 900 Schülern und Schülerinnen und teils integrativen Klassen – so das Otto-Pankok-Gymnasium, die Gustav-Heinemann-Schule, die Realschule Stadtmitte, die Astrid-Lindgren-Schule, die Grundschule am Krähenbüschken und die Willy-Brandt-Schule.

Allen am Projekt beteiligten Schülern und Schülerinnen sowie Lehrern und Lehrerinnen, dem Theater der Dämmerung sowie der Grafikabteilung der Mülheimer Stadtmarketing und Tourismus Gesellschaft (MST) sei ein herzlicher Dank für die kreative Zusammenarbeit ausgesprochen!

 

Hier finden Sie "Gebrüder Mölmsch - Interkulturelles Märchen- und Scherenschnittprojekt" als PDF-Datei zum Download.


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