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Objekt des Monats

 

Objekt des Monats Mai 2017

 

Das Objekt des Monats Mai 2017 ist eine enigmatische Postkarte.Das erste Exponat ist eine um 1910 in Frankreich produzierte „enigmatische Postkarte“. Sie hat das Format 14 x 9 cm. Es handelt sich bei der Scherzkarte um eine auf matten Karton fotografisch reproduzierte Bleistiftzeichnung mit dem Titel „Un bon vivant“. „Un bon vivant“ ist Französisch und bedeutet wörtlich „Ein gutes Leben“: Hier heißt es aber „Der Genussmensch“ oder „Der Lebemann“ (siehe: Bonvivant). Auf der Rückseite steht ein Impressum: „Serie têtes trompeuses No. 1“ sowie die Signatur (Sammlung KH. Steckelings): „E 4 G“. Nach Ausweis der rückseitigen Beschriftung und des Stempels ist die Karte im Jahre 1911 postalisch gelaufen (Unterschrift: „…Albert 16.01.1911“). Der enigmatische Zeichenstil verweist auf die phantastischen manieristischen Bildschöpfungen des italienischen Renaissancekünstlers Giuseppe Arcimboldo (*um 1526 - †11.07.1593). Beim enigmatischen Stil werden Portraits oder Physiognomien aus vegetabilen, antropomorphen oder floralen Elementen konstruiert. Die in der Renaissance und im Manierismus beliebte Bildkomposition erfreute sich auch im Jugendstil großer Beliebtheit, wie ein Blick auf die Fassade des Warenhaus Tietz an der Heinrich-Heine-Allee in Düsseldorf beweist. Dieses Gebäude  entstand in den Jahren 1907-1909 nach Plänen des Architekten Joseph Maria Olbrich.

Auf der Postkarte ist ein nach rechts schauender Kopf eines Mannes fortgeschrittenen Alters zu sehen, der bei näherer Betrachtung aus den Körpern dreier Frauenakte besteht, deren Gliedmaßen die Gesichtsteile und Sinnesorgane des Mannes bilden. Die Nase des „Bon vivant“ entsteht durch das angewinkelte linke Bein der obersten Frau, die sich lasziv nach hinten neigend, mit exponiertem Bauch und Brustkorb die Stirn des Mannes bildet. Ihre Brüste muten auf der Stirn des „Bon vivant“ wie Beulen an, ihr Gesicht wie ein kreisrunder Haarausfall im Bereich der Schläfe des Mannes. Die mittlere Frau hat ihren rechten Arm auf den Kopf der unteren Frau gelegt. Ihr Arm bildet damit die Augenbraue, wobei der Kopf der unteren Frau das Auge, und ihre Haare das Augenlid des Mannes darstellen. Die mittlere Frau spielt mit ihrer linken Hand auf einer Harfe. Diese bildet das Ohr des „Bon vivant“, und ihre Haare bilden mit der wallenden Haarpracht der obersten Frau die Frisur des Mannes. Die untere Frau begrenzt mit ihrem rechten Oberschenkel die Unterlippe seines Mundes, ihr linkes Bein stellt das Kinn des Mannes dar. Sie hält zudem einen Blumenkranz in der rechten Hand, der den Nasenflügel des „Bon vivant“ bildet. Die gesamte Konstruktion des Kopfes kann als Metapher auf die frivolen Gedanken des „Bon vivant“ verstanden werden.


Das zweite Objekt ist gleichfalls eine in Frankreich produzierte und 1913 postalisch gelaufene Scherzkarte. Sie hat das Format 13,5 x 8,5 cm. Auch bei dieser enigmatischen Karte handelt es sich um eine fotografisch reproduzierte Bleistiftzeichnung. Sie trägt den französischen Titel „Un Faune“.

„Un Faune“ bedeutet übersetzt „Ein Faun“ oder „Ein Satyr“. Faune sind Fabelwesen aus der griechisch/römischen Mythologie, Chimären, die halb Mensch, halb Ziege, Fruchtbarkeit bzw. den Eros symbolisieren. Auf der Kartenvorderseite steht als Impressum (in Raute) „PFB“, „223, Déposé Dans Tous Les Pays“, rückseitig die Signatur (Sammlung KH. Steckelings): „E 4 c“.


Auf der zweiten Postkarte ist ein nach rechts blickender betagter Faun zu sehen. Signifikant sind seine Hörner, Schlappohren und ein Ziegenbart. Die Physiognomie des Fauns setzt sich aus vier leicht bekleideten Frauenkörpern und einem weiteren Satyr zusammen. Die Frauen tragen transparente Schleier, die mehr enthüllen, als verbergen. Die oberste Frau stellt mit ihrem Haar ein Horn, mit dem angewinkelten Unterschenkel die Augenbrauen, und mit ihrem restlichen Körper die Stirn des Fauns dar. Sie hält eine Sektschale in der linken Hand. Die nachfolgende Frau hält den kleineren Satyr, der den Hinterkopf des Fauns bildet, an seinen Hörnern fest, und zieht ihn zu sich heran. Ihr Haar formt das Ohr des Faun-Kopfs, und der Bereich zwischen dem Unterschenkel der oberen und dem Schoß der nachfolgenden Frau bildet das Auge des Fauns. Die nachfolgende Frau hält ebenfalls eine Sektschale in der Hand und scheint mit der unteren Frau zu reden. Ihr angewinkelter rechter Arm bildet die Hakennase des Faun-Kopfs. Die vierte Frau wendet dem Betrachter den Rücken zu. Sie fungiert als Repoussoir-Figur, und hält gleichfalls eine Sektschale in der Hand. Ihr Schleier bildet den Bart des Fauns.  Auch bei dieser Postkarte offenbaren die Bestandteile des Kopfes die Gedanken und die Wesensart des Fauns.


Texte: Friedrich Pfleger/Dr. Jörg Schmitz

 

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Objekt des Monats APRIL 2017:

 

Bleistift-Vorzeichnung auf Pergamin für einen Laterna-Magica-Bildstreifen. 3,9x15 cm, Deutschland um 1865, unsigniert.

Bleistift-Vorzeichnung auf Pergamin für einen Laterna-Magica-Bildstreifen. 3,9x15 cm, Deutschland um 1865, unsigniert.

 

 

 

 

Die vier Szenen umfassende Bleistiftzeichnung stellt
-jeweils in Passform eingeschrieben-
1. einen arabischen Artisten mit Fez,
2. eine Wasserkrug haltende alte Frau in Begleitung eines jungen sog. „Kammermohren“,
3. einen Turban tragenden arabischen Paukisten, sowie
4. einen lendengeschürzten schwarzafrikanischen Krieger mit Schild und Speer dar.

 

Nach Auskunft von Prof. Wichmann, Starnberg, ist die Vorzeichnung stilistisch Oswald Adalbert Sickert zuzuschreiben (Quelle K. H. Steckelings, 2006). Sickert wurde 1828 in Hamburg-Altona geboren und verstarb 1885 in London. Er betätigte sich als Zeichner, Holzschneider sowie Karikaturist, und war Mitte des 19. Jahrhunderts für die Fliegenden Blätter in München als Illustrator tätig.

 

Dr. Jörg Schmitz

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Objekt des Monats MÄRZ 2017:

 

Meggendorfer, Lothar, Lebende Bilder. Ein Ziehbilderbuch für Kinder. 8. Auflage, um 1880. 8 Chromolithographien auf Tafeln mit beweglichen Papierschüben. München, Braun & Schneider [Erstausgabe 1878]. Kolorierte Deckelillustration; Größe: 24,5cm x 32,5cm

 

      Meggendorfer, Lothar, Lebende Bilder. Ein Ziehbilderbuch für Kinder. 8. Auflage, um 1880. 8 Chromolithographien auf Tafeln mit beweglichen Papierschüben. München, Braun & Schneider [Erstausgabe 1878]. Kolorierte Deckelillustration; Größe: 24,5cm x 32  Meggendorfer, Lothar, Lebende Bilder. Ein Ziehbilderbuch für Kinder. 8. Auflage, um 1880. 8 Chromolithographien auf Tafeln mit beweglichen Papierschüben. München, Braun & Schneider [Erstausgabe 1878]. Kolorierte Deckelillustration; Größe: 24,5cm x 32  
Meggendorfer, Lothar, Lebende Bilder. Ein Ziehbilderbuch für Kinder. 8. Auflage, um 1880. 8 Chromolithographien auf Tafeln mit beweglichen Papierschüben. München, Braun & Schneider [Erstausgabe 1878]. Kolorierte Deckelillustration; Größe: 24,5cm x 32   

 

Es handelt sich bei dem Objekt des Monats März um das erste Ziehbilderbuch des Münchner Künstlers Lothar Meggendorfer, der besonders für seine mechanischen Bilderbücher bekannt war. Insgesamt hat er 32 Ziehbilderbücher mit 235 Blättern geschaffen. Das erstmals 1878 bei Braun und Schneider herausgekommene Ziehbilderbuch Lebende Bilder wurde von ihm ursprünglich als Weihnachtsgeschenk für seinen ältesten Sohn angefertigt.[1] „Mittels winziger Metallnieten und Kupferdrahtspiralen verband er die verschiedenen Bewegungsabläufe derartig miteinander, daß die Figuren nicht nur wie bloße Hampelmänner zappelten, sondern zu wirklichem Leben zu erwachen schienen.“[2] Die verschiedenen Ziehbilder werden jeweils von vier Versen,  die in Paarreimen angeordnet sind, kommentiert. Seine Bücher erfreuen sich bis heute größter Beliebtheit und sind von verschiedenen Verlagen als Faksimile produziert worden. Das Puppentheatermuseum im Münchner Stadtmuseum widmete Meggendorfer 1981 eine umfassende Ausstellung mit Begleitkatalog. Dieser, sowie auch Faksimiles verschiedener Meggendorfer Bilderbücher sind im Museumsshop der Camera Obscura käuflich zu erwerben. Das Objekt des Monats März können Sie bei Interesse in einer Vitrine im Workshopbereich der Camera Obscura im Original betrachten.

 

Katharina Düsterwald

 


[1] Vgl.: Krahé, Hildegard: Biographisches, in: Lothar Meggendorfers Lebende Bilderbücher. 11. Dezember 1980 –28. Februar 1981. Ausstellung des Puppentheatermuseums im Münchner Stadtmuseum, S. 18-28, hier S. 22.

[2] Ebd.

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Objekt des Monats FEBRUAR 2017:

Im Februar sind in der Vitrine des Workshopbereichs drei Papierspiele ausgestellt.

 

1. „Komische Leute. Ein neues Gesichterspiel“, Legespielset, Deutschland um 1900, in Originalschachtel (16,5x25,5 cm), Chromolithographien. „ges. gesch.“, „4447“.

Objekt des Monats Februar 2017: Komische Leute. Ein neues GesichterspielIn der Zeit um die Jahrhundertwende bis zum Ersten Weltkrieg erschienen auf dem Europäischen Buchmarkt eine größere Anzahl von Legespielen, bei denen man Personen wie auch Tiere und Chimären mit unterschiedlichen Physiognomien enface wie im Profil aus puzzleähnlichen Pappteilen zusammenfügen konnte. Personen und Mischwesen unterschiedlichen Alters, Berufes, Geschlechts, ethnischer Herkunft und Stimmungslage konnten so konstruiert und variiert werden. Komplette Spielsets sind heute recht selten. Das Exemplar der Camera Obscura ist nicht datiert, trägt rückseitig aber zumindest einen Händlerstempel: „Franz Carl Weber Zürich – Spiel-waren“. Stilistik, Qualität, Materialbeschaffenheit, Drucktechnik, modische Details usw. sprechen allerdings für einen Produzenten aus dem mitteleuropäisch-deutschen Kulturkreis. Karl Weber (1855-1948) stammte aus Fürth bei Nürnberg, der Hochburg derObjekt des Monats Februar 207: Taschentheater mit Stabfiguren, Deutschland um 1870. Spielset in einer kleinen, bühnenartig geöffneten Pappschachtel, 7x15 cm, Chromolithographien europäischen Spielwarenfabrikation. Er siedelte nach der Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann in die Schweiz über, und gründete 1881 in Zürich eine Spielwarenhandlung, die Holz-, Blech- und andere Spielzeuge unterschiedlicher Provenienz vertrieb.

 

2. Taschentheater mit Stabfiguren, Deutschland um 1870. Spielset in einer kleinen, bühnenartig geöffneten Pappschachtel, 7x15 cm, Chromolithographien.

Taschenversion des Papiertheaters, vom Figurentyp auch an historische Papp-Anziehpuppen erinnernd. Im Prinzip wurden die Stabfiguren wie Kasperlepuppen oder die Stabpuppen des kölschen Hänneschentheaters im Papiertheaterprospekt spielerisch hin und her geschObjekt des Monats Februar 2017: Anamorphotisches Ziehbild (Putzfrau), Deutschland um 1880, Chromolithographie.oben. Hintereinander gestellt, ergab sich zudem ein räumlicher/3-D-Effekt.

 

3. Anamorphotisches Ziehbild (Putzfrau), Deutschland um 1880, Chromolithographie.
Die Figur besteht aus streifenförmigen Körperabschnitten, die man auseinander- und zusammenziehen kann. Dadurch kann man die Physiognomie der Putzfrau strecken und stauchen, wodurch bizarre Erscheinungsformen des Körpers möglich sind.

 

Dr. Jörg Schmitz

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Objekt des Monats JANUAR 2017:

 

Laterna-Magica-Scheibe der Nürnberger Firma Ernst Plank (vgl. Monogramm E.P. links auf der Giebelseite des Holzschuppens), Ende 19./Anfang 20. Jahrhundert, 3,5x13 cm, Glas und Chromolithographie auf Gelatine.

Objekt des Monats Januar 2017: Laterna Magica-Scheibe

Die Fa. Ernst Plank existierte von 1866-1934 und war in Deutschland einer der führenden Hersteller von Spielzeugdampfmaschinen, Laternae Magicae sowie Dampflokomotiven.

Die Laterna-Scheibe entführt uns in die Zeit der Jahrhundertwende, wo der Schnee – das Ruhrgebiet einmal ausgenommen – noch weiß, und die Winter kalt waren. Jungen mit Plümmelmützen vergnügen sich auf dem Schulweg bei einer Schneeballschlacht, ein Knabe fährt seine Mutter im noblen Sitzschlitten über das feste Eis eines zugefrorenen Weihers, und am rechten Bildrand schaut ein älterer Herr im Hausmantel, mit Zipfelmütze auf dem Kopf, dem munteren Treiben zu. Er raucht dabei eine lange Reservistenpfeife, während zu seinen Füßen ein Spitz wachsam das Geschehen verfolgt.

Die Kinder sind noch nicht so alt, denn an ihren Ranzen hängen Schwämmchen und Wischlappen für Schiefertafeln, sie lernen also noch das Schreiben.

Laterna-Magica-Bildscheiben sind die Vorgänger der Dias, und die Laterna-Magica ist der Vorgänger des Diaprojektors bzw. des Beamers. Als Leuchtquelle der Laterne diente ursprünglich ein Petroleumlämpchen oder eine Kerze, später wurden die Laternae Magicae aber oftmals elektrifiziert, so dass heute kaum noch originale und vollständige Projektionsgeräte auf dem Markt sind. Ein Hohlspiegel im inneren der Laterne warf das gebündelte Licht auf die Bildstreifen. Ein Objektiv lenkte den Lichtstrahl dann aufgefächert auf die Projektionsfläche.

In wohlhabenderen Familien wurden mit der Laterna Magica Bilderabende veranstaltet, die zugleich belustigend, informativ und unterhaltend waren. Zu den Scheibensets gab es häufig Texthefte, die die Bildscheiben kommentierten.


Dr. Jörg Schmitz

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Objekt des Monats DEZEMBER 2016:

Papiertransparenz (Diorama), 23x17 cm. Ende 19. Jahrhundert. Bezeichnet „l’hiver“ – „l’été“ (Winter – Sommer).

Das perforierte Dioramenblatt zeigt eine verschneite und nebelverhangene Winterlandschaft im flämisch-wallonischen Kulturraum. Der linke Bildvordergrund wird von einer Hufschmiede beherrscht, vorObjekt des Monats Dezember 2016: Papiertransparenz (Diorama), 23x17 cm. Ende 19. Jahrhundert. Bezeichnet der sich zwei Personen, der Hufschmied und ein wohlhabender Bauer, eventuell auch ein blau gewandeter Reisender mit Hut, aufhalten, und ein Pferd beschlagen. Zwei weitere Pferde im offenen Stall der Schmiede, warten auf ihre Behandlung. Die Mähnen und die Physiognomie der Pferde weisen sie als belgische Kaltblüter aus. Im Hintergrund lodert grellrot das Feuer in der Esse der Schmiede. Weiter vorne picken Tauben am zugefrorenen Dorfteich die letzten Spelzen des im Spätsommer gedroschenen Heus.

Eine verheiratete Bauersfrau oder Magd, sie ist schon „unter der Haube“, dient als Repoussoirefigur und leitet vom Bildzentrum in den Bildhintergrund, der von zwei weiteren Frauen bereichert wird. Die fluchtende Häuserzeile im Hintergrund, sorgt für eine perspektivische Dynamik von links vorne nach rechts hinten. Dieser Vertikaltendenz schiebt sich von rechts ein Haus entgegen, aus dem eine vierte Frau tritt. Zwei karge laublose Bäume, und der Spitzhelm der Dorfkirche im nebeligen Bildhintergrund bilden das horizontale Gegengewicht der verschränkten Bildkomposition.Objekt des Monats Dezember 2016: Papiertransparenz (Diorama), 23x17 cm. Ende 19. Jahrhundert. Bezeichnet

Hinterleuchtet entpuppt sich die Winterszene als Sommerliches Fest. Die plötzlich von unzähligen Personen belebte Szenerie kann seine flämischen Wurzeln und einen Pieter Brueghel nicht verhehlen. Ihre Personenfülle erinnert aber auch an unsere heutigen Wimmelbücher. Durch die Perforierung setzt der Bildproduzent zusätzlich Licht-Akzente, so dass es sich bei dem Motiv auch um ein abendliches Lichterfest im Hochsommer handeln könnte.

Das Papier der Transparenz ist hauchdünn, und daher auch schon an einigen Stellen gerissen. Es erlaubt bei der Hinterleuchtung den reizenden Durchscheineffekt (Transluzenz). Eingesetzt wurden derartige Bilder im 19. Jahrhundert in kleinen Guckkästen mit Kerzenlicht (Front- und Rückbeleuchtung) oder in Polyoramen (Rückwand und Deckel können zwecks Be-/Hinterleuchtung mittels Drahtstrebe geöffnet werden).

 

Dr. Jörg Schmitz

 

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Das Objekt des Monats NOVEMBER 2016:

Objekt des Monats November 2016: Verwandlungs-Bilder-Buch  MetamorphosesVerwandlungs-Bilder-Buch / Metamorphoses / Picture-Book, Deutschland o. O. und Jahr (um 1900), Illustrierter Okarton-Umschlag, 6 Seiten mit je 6 Klappflügeln (Altarfaltung) in Chromolithographie. Schmal-Kl.8vo.
Objekt des Monats November 2016: Verwandlungs-Bilder-Buch  Metamorphoses

Durch Blättern der Klappflügel können den abgebildeten Personen andere Köpfe, Oberkörper und Beine gegeben werden.
Aus Mensch wird Tier, aus Tier wird Mensch, aus Alt wird Jung und aus Jung wird Alt.

Ein Unterhaltungsbuch für alle Generationen, das im zeittypischen Kolorit lustige Gestalten präsentiert.

Vom Buch sind eine Vorgängernummer (um 1895) und eine Folgeauflage (um 1900) bekannt, die ebenfalls o. O. und Jahr unter den Titeln: „Verwandlungs-Bilder-Buch. Metamorphoses-Picture-Book. Livre de metamorphoses“ respektive „Neustes Verwandlungs-Bilder-Buch“ in den Handel gelangten.

 

Dr. Jörg Schmitz

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Das Objekt des Monats OKTOBER 2016:

 

Mechanisch-wandelbare Laterna Magica Scheibe im Holzrahmen, Mitte bis 2. Hälfte 19. Jahrhundert. Handgemalt, wohl Deutschland oder Frankreich, 14,5x 25 cm (Rahmenformat).

Ein Vergleichsexponat befindet sich im Deutschen Technikmuseum, Berlin.

 

Objekt des Monats Oktober: Laterna Magica Scheibe

Objekt des Monats Oktober: Laterna Magica Scheibe
Objekt des Monats Oktober 2016: Laterna-Magica-Scheibe

Die humoristische Scheibe zeigt einen Mann mit Kniebundhose, gestreifter zweireihig geknöpfter Jacke, weißen Kniestrümpfen, Biedermeierschuhen und Zipfelmütze, wie man sie als Handwerker und Bauer in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland wie Frankreich trug.
Der Koch oder Bauer trägt auf dem Tablett einen Schweins- bzw. Keilerkopf, und im Gürtel ein langes Schlachtermesser, hat sein blutiges Treiben also grade erst beendet.
 

Betätigt der Laternen-Vorführer die Messingstrebe der Laterna-Magica-Scheibe, wird der Keilerkopf auf dem Tablett mittels einer parallel im Rahmen sitzenden, drehbaren zweiten Bildscheibe gegen den Kopf des Bauern, und der Kopf des Mannes gegen den Schweinekopf ausgetauscht. Auf der Leinwand geht dieser Wechsel dank der Mechanik derart schnell vonstatten, dass der Zuschauer verblüfft nur ein Umspringen der Köpfe sieht.
Dem gruseligen Lacherfolg steht dem Laterna-Magica-Vorführer insofern nichts im Wege.

Die Haare des Mannes sind kurz, d. h. wir befinden uns in der Zeit nach den Wirren der französischen Revolution. Damals wurde inhaftierten Adeligen und Bürgern das Haar gestutzt, damit die Guillotine besser schnitt. Mit dem Wechsel der Köpfe von Mann und Keiler könnte damit auch eine latente politische Aussage verknüpft sein, die Revolution frisst ihre Kinder, der Henker landet selbst auf dem Schafott.  

 

Dr. Jörg Schmitz

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Das Objekt des Monats SEPTEMBER 2016:

 

Das Objekt des Monats September 2016: Scherenschnittvorlagen für Schattenspiel- und Gliederpuppen-Figuren. Teils in expressionistischer, teils im Art-Deco-Stil gehalten. Von Dr. Leo Weismantel.Leo Weismantel, Halbleinen-Flügelmappe 44,5x36,5 cm, mit gebatiktem Buntpapierbezug, „Leo Weismantel erneuert alte Puppenspiele (=Vaterländische Spiele), Verlag des Bühnenvolksbundes G.m.b.H. Frankfurt Main, um 1924.

 

Das Objekt des Monats September 2016: Scherenschnittvorlagen für Schattenspiel- und Gliederpuppen-Figuren. Teils in expressionistischer, teils im Art-Deco-Stil gehalten. Von Dr. Leo Weismantel.L. Weismantel/G. Holl, 4 Bll. „Das Hildebrandtspiel“, 11 Bll. „Theophilus“, 5. Bll. „Die Schlacht auf dem Birkenfeld“, 10 Bll. „Das Spiel von Wilhelm Tell“ 8 Bll. nicht bezeichnete Schnitte, L. Weismantel/F. Griebel, 9 Bll. „Der Totengräber von Feldberg“.

Scherenschnittvorlagen für Schattenspiel- und Gliederpuppen-Figuren. Teils in expressionistischer, teils im Art-Deco-Stil gehalten. Einige Illustrationen erinnern an Scherenschnitte von Lotte Reiniger (vgl. Pferdekopf, Bl. 2, Wilhelm Tell mit Lotte Reiniger, Zauberpferd von Prinz Achmed), Figuren aus HDas Objekt des Monats September 2016: Scherenschnittvorlagen für Schattenspiel- und Gliederpuppen-Figuren. Teils in expressionistischer, teils im Art-Deco-Stil gehalten. Von Dr. Leo Weismantel.offmanns Struwwelpeter und süddeutschen Bilderbögen des 19. Jahrhunderts, Schöpfungen des deutschen Expressionismus wie auch an avantgardistische Holzschnittillustrationen des russischen Künstlers W. Masjutin.

Dr. Leo Weismantel, 10.06.1888 -Das Objekt des Monats September 2016: Scherenschnittvorlagen für Schattenspiel- und Gliederpuppen-Figuren. Teils in expressionistischer, teils im Art-Deco-Stil gehalten. Von Dr. Leo Weismantel.16.09.1964, war bayrischer Landtagsabgeordneter, Schriftsteller und Reformpädagoge. Er versuchte aus der Perspektive des politischen Katholizismus historische Literaturmotive in zeitgenössisch-Moderne Formen zu überführen. Vermutlich sollten die ausgeschnittenen Vorlagen als Schattenspiel- und Papiertheaterfiguren benutzt werden.


Im Jahre 1924 erschien im Verlag des Bühnen-Volksbundes Frankfurt von Weismantel –wohl als Ergänzung zur Mappe- das „Werkbuch der Puppenspiele“ mit 128 Textseiten und 78 Textabbildungen.

 

Dr. Jörg Schmitz

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Das Objekt des Monats AUGUST 2016:

 

Faltperspektive Themsetunnel, gezeichnet und koloriert, um 1843, Papier, Hersteller unbekannt (England), Bezeichnet: “Thames – Tunnel“)

 

14,7 cm x 11,9 cm x 60 cm (voll ausgezogen), mit 7 Bildebenen

Provenienz: Ankauf aus Sammlung K. H. Steckelings

 

Objekt des Monats August: Faltperspektive Themsetunnel, gezeichnet und koloriert, um 1843, Papier, Hersteller unbekannt (England) Themsetunnel:

-Unterquert die Themse und verbindet die Stadtteile Rotherhithe und Wapping miteinander
-Beginn der Bauarbeiten 16.02.1825, Fertigstellung März 1843 (Bauzeit dauerte sechs Mal so lange wie geplant, wegen Streiks, Geldproblemen und zahlreichen Unfällen)
-Ingenieure Marc Isambard Brunel und sein Sohn Isambard Kingdom Brunel
-10 Meter breit und 366 Meter lang
-Weltweit erster Tunnel unter einem Fluss: Bau erst möglich, durch die Verbesserung der Dampfmaschinentechnik, die es gestattete, Baustellen trocken zu halten.
-Ursprünglich für Pferdekutschen geplant, wurde der Tunnel nie auf diese Weise genutzt, sondern für Fußgänger, später für Eisenbahnen (East-London-Railway) und dann für die U-Bahn (bis 2007), da dem Investor kurz vor Fertigstellung das Geld für den Bau der Kutschen-Zufahrtsrampen ausging.

 

Ansichten des geplanten Themse-Tunnels wurden seit den 1820iger Jahren europaweit in Architekturzeitschriften publiziert. Diese zeigten das Bauwerk mit dem projektierten zweibahnigen Pferdekutschen-Verkehr. Aus derartigen Stichvorlagen schöpfte vermutlich der unbekannte Faltperspektiven-Zeichner seine Anregungen, da er jenes Motiv irrigerweise überniObjekt des Monats August: Faltperspektive Themsetunnel, gezeichnet und koloriert, um 1843, Papier, Hersteller unbekannt (England), Bezeichnet: mmt. Es existieren jedoch auch lithographierte Faltperspektiven des Themse-Tunnels mit Pferdekutschen-Verkehr, so dass unser anonymer Zeichner auch ein Raubkopist sein könnte, der seine Faltperspektive als freie Nachschöpfung einer kommerziell vertriebenen Druckauflage dieses optischen Spielzeugs anfertigte.

Vgl.: Paul Clements: Marc Isambard Brunel, London 1970.

Metropole London. Macht und Glanz einer Weltstadt 1800-1840. Ausstellungskatalog Kulturstiftung Ruhr, Villa Hügel 1992, Recklinghausen 1992, S. 350, Kat.-Nr. 217.

 

Dr. Jörg Schmitz

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Das Objekt des Monats JULI 2016:

 

Historisches Guckkasten-Blatt von Georg Balthasar Probst (1732-1801), Augsburg, La Chasse d’Ours - "Vorstelhung einer Bären Hatz", altkolorierter Kupferstich auf Bütten, um 1780.

 

Objekt des Monats Juli 2016: Historisches Guckkasten-Blatt von Georg Balthasar Probst (1732-1801), Augsburg, La Chasse d'Ours - Vorstelhung einer Bären Hatz, altkolorierter Kupferstich auf Bütten, um 1780.Auf dem Guckkasten-Blatt kommt eine in wild-romantischer Berglandschaft angesiedelte, vielfigurige Bärenhatz zur Darstellung.

Mit Pieken, Säbeln, Hirschfängern und Flinten bewaffnete Adelige –nur dieser Personenkreis besaß im 18. Jahrhundert das Jagdprivileg- verfolgen, teils zu Pferde, teils zu Fuß, eine Bärin mit ihrem Jungen. Die Jäger werden bei ihrem Unterfangen von einer Hundemeute unterstützt. Einer der Hunde wurde bei dem gefährlichen Treiben bereits von der Bärin getötet. Die Szenerie wirkt sehr dramatisch. Dazu trägt auch der Komplementärkontrast von rot- und grüngewandeten Jägern bei. Repoussoirefiguren im Vordergrund ziehen den Betrachter in das von steilen Berghängen gerahmte Jagdgeschehen. Die von schroffen Felsen eingefasste Ebene fluchtet in einer Zentralperspektive. Der romantische Charakter der Szenerie wird von einer im Hintergrund erkennbaren Ruine und einem einsamen Gehöft –diese evoziert unterschwellig den Topos des Schäferstündchens- noch unterstrichen, während dunkle Wolken die Dramatik des Jagdgeschehens steigern, und ein im Vordergrund erkennbarer Tierschädel dem Betrachter als Vanitas-Symbol dient.

Die Szenerie ist für den Einsatz in Reiseguckkästen mit Spiegelumlenkung seitenverkehrt komponiert und der französische Titel entsprechend spiegelverkehrt gedruckt, während dem interessierten Betrachter unter der Abbildung lesbar eine englische, französische, italienische und deutsche Legende das Geschehen erläutert. Zudem finden sich weitere publikationstechnisch notwendige Beschriftungen, unten rechts das Druckprivileg mit Signatur "Cum Gratia et Privilegio Sac. Caes. Majestatis - Georg Balthasar Probst, excud. A.V. [Augsburg], Med. Fol.° N° 32", oben rechts: „122 [Probst Verlagsnummer]“, Blattmaß ca. 32 x 42,5 cm, Darstellungsgröße 27,4 x 40,3 cm.

Literatur: Werkverzeichnis Sixt v. Kapff, Katalog-Nr. K 398.

 

Zum Verleger:

Georg Balthasar Probst (1732-1801) betätigte sich im 18. Jahrhundert in Augsburg als Verleger, Bildnis- und Vedutenstecher. Probst war Schüler und Sohn des Augsburger Verlegers Johann Balthasar Probst (1673-1748), und Vater des Georg Matthäus Probst (1788). Nach dem Tod des Vaters übernahm Georg Probst 1750 einen Teil des Verlags "Wolffs Erben (Haeres Jer. Wolffii) und führte ihn unter eigenem Namen fort, vgl. Thieme-Becker und Werkverzeichnis Sixt v. Kapff S. 506.

Dr. Jörg Schmitz

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Das Objekt des Monats JUNI 2016:

Objekt des Monats Juni: Japanischer Zauberspiegel des 19. Jahrhunderts, Meiji-Epoche (1868-1912) Japanischer Zauberspiegel

des 19. Jahrhunderts, Meiji-Epoche (1868-1912)

Der Zauber- oder Schattenspiegel wurde als fein ziselierter Bronzeguss gefertigt. Seine Rückseite ziert ein üppiges Relief, das eineObjekt des Monats Juni: Japanischer Zauberspiegel des 19. Jahrhunderts, Meiji-Epoche (1868-1912) reiche Vegetation mit Kranichen und einer Schildkröte zeigt. Am linken Rand erkennt man eine neunzeilige Beschriftung.
Der Spiegel, dessen polierte Front als Spiegel dient, produziert mit der relieffierten Rückseite bei Sonnenlicht ein reizvolles Schattenmuster. Der Spiegel befindet sich in einer lacküberzogenen Holzschachtel. Beigefügt ist ein Reinigungstuch und eine mit schwarzer Tusche in japanischen Schriftzeichen kaligraffierte Erläuterung. Das Prinzip ist seit dem 5. Jahrhundert bekannt und wurde in China erfunden. Von dort breitete es sich im asiatischen Raum aus.

Der Durchmesser beträgt ca. 30 cm.

 

Dr. Jörg Schmitz

 

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Das Objekt des Monats MAI 2016:

Lotte Reiniger, Die Abenteuer des Prinzen Achmed. Mappe mit 4 Bl. Textheft und 32 Tafeln (Filmstills) in Lichtdruck, Quer-4°. Kunstverlag Wasmuth, Berlin 1926.


Das Exponat des Monats Mai: Historische film stills von der Premiere des Trickfilms Die Abenteuer des Prinzen Achmed von Lotte Reiniger.Zukünftig wird jeden Monat ein besonderes Objekt aus den Magazinbeständen - beziehungsweise dem Grafikschrank - des Museums in den Fokus gerückt. Die Sammlung der Camera Obscura umfasst nicht nur die bekannten Exponate der Dauerausstellung, sondern auch Pretiosen, die aufgrund konservatorischer Überlegungen nur temporär gezeigt werden können.


Die vorliegende Mappe mit 32 Filmstills und einem Textheft des Silhouettenfilms „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“, erschien im Jahre 1926 anlässlich der Berliner Uraufführung am 02.05.1926. Sie wurde den Premierengästen als Erinnerungsstück dezidiert und ist heute antiquarisch kaum noch greifbar. Der Film Prinz Achmed gilt mit seinen 65 Minuten SpieldauDas Objekt des Monats Mai: Historische film stills von der Premiere des Trickfilms Die Abenteuer des Prinzen Achmed von Lotte Reiniger.er als der erste abendfüllende Animationsfilm der Filmgeschichte. Ohne dieses cineastische Meisterwerk wären unsere heutigen Animationsfilme kaum denkbar. Die Mappe wurde 2007 im Zusammenhang mit der Wechselausstellung „Lotte Reiniger und die Anderen“ von der Mülheimer Stadtmarketing und Tourismus GmbH (MST) antiquarisch erworben und in der Camera Obscura erstmals ausgestellt.


Zum Anlass, diese seltene Mappe erneut der Öffentlichkeit zu präsentieren, wurde die Sonderausstellung des Düsseldorfer Filmmuseums „Lotte Reiniger und der absolute Film“ (14.5.2016 – 8.1.2017) genommen.

 

Dr. Jörg Schmitz


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